Spaghnum Moos - Unscheinbare Pflanze mit großer Funktionalität

Die unter dem Namen Spaghnum-Moos bekannte Substanz gehört zu der Pflanzengattung der Torfmoose (Spaghnum).

sphagnum-moos Meistens kennt man jedoch leider nicht die Pflanze aus der Natur, sondern das getrocknete und gepresste Moos mit unscheinbarer gelblich-brauner Farbe, das erstaunliche Eigenschaften vorweist und deswegen in unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz kommt, denn es kann Folgendes:

Die getrocknete Pflanze hat sehr große Wasserhaltefähigkeit, denn sie kann das 30-fache ihrer Trockenmasse an Flüssigkeit aufnehmen. Dieses liegt daran, dass die Blättchen des Torfmoos unglaublich viele tote Wasserspeicherzellen (Hyalinzellen) haben.
Speicherzellen brauchen sie auch, weil Moose den Hauptanteil an Nährstoffen und Wasser aus der Luft und über ihre Oberfläche aufnehmen in Form von Niederschlag, Nebel und allgemein der Luftfeuchtigkeit, da sie keine Wurzeln haben.

Mit Hilfe ihrer Wasserzellen in den Blättern und ihren Wassersäcken in den Stängeln sind sie zusätzlich in der Lage, das Wasser kapillar hochzuheben, so dass der Wasserspiegel der Hochmoore (dem natürlichen Standort von Sphagnum) in der Regel mehrere Meter über dem Grundwasserspiegel liegt. Für diese Leistung brauchen die Torfmoose weder Wurzeln noch wasserleitende Gefäße. Sie sind sogar im abgestorbenen Zustand dazu in der Lage, wobei die Saugspannung in einem trockenen Pflänzchen so groß ist, dass eine Geschwindigkeit von 10 cm in 3-4 Minuten erreicht werden kann.
In Trockenperioden verdunstet die Pflanze das Wasser, die Hyalinzellen füllen sich mit Luft und das Moos wechselt seine Farbe. Die im wassergesättigten Zustand grünen, bräunlichen oder rötlichen Pflanzen werden in ihrer Färbung wesentlich blasser und teilweise sogar weißlich. Diese Eigenschaft der Torfmoose ist auch der Ursprung der parallel verwendeten Bezeichnung "Bleichmoose" oder "Weißmoose". Wieder befeuchtet beginnen die Pflanzen erneut ihre ursprüngliche Färbung anzunehmen und zu wachsen.

Während des Vorgangs der Nährstoffaufnahme in Form von Mineral-Ionen aus der umgebenden Feuchtigkeit findet gleichzeitig ein Ionenaustausch statt, denn mit jeder Aufnahme gibt die Pflanze gleichzeitig Wasserstoff-Ionen an ihre Umgebung ab. Dadurch entsteht ein saures Milieu um den Standort des Sphagnum-Moos. Die Wasserstoff-Ionen gelangen nämlich wiedrrum mit dem Wasser in den Boden und machen den pH-Wert niedriger. Je mehr Wasserstoff-Ionen in den Boden gelangen desto höher ist sein Säuregehalt. Während Regenwasser normalerweise einen pH-Wert von rund 6 aufweist, senken die Sphagnen den des Moorwassers auf Werte um pH 4 ab.

Dieser eben Beschriebene Vorgang hat zwei Gegebenheiten zur Folge. Zum einen schützt sich das Moos auf diese Art und Weise vor Schädlingen und vor Konkurrenten, denn nur wenige Pflanzen mögen so saure Böden. Schnecken und andere Fressfeinde meiden die Pflanze. Zum anderen entsteht durch die Übersäuerung eine der grundlegenden Vorraussetzungen für die Entstehung von Zwischen- und Hochmooren.

Ein weiterer Faktor, der zu ihrer Entstehung beiträgt, ist die Tatsache, dass Spaghnum sozusagen unbegrenzt wachsen kann. Während sich die Pflanze nach oben hin in mattenartigen dichten Wuchs entwickelt, stirbt die Basis wegen Luftabschluss ab. Es entsteht ein dichter Filz aus abgestorbenen Pflanzenresten, der für diese Luftarmut verantwortlich ist, weswegen sich die Pflanzenreste nur in Teilen bis garnicht zersetzen. Auch hierbei spielt natürlich das saure Millieu eine entscheidende Rolle, denn es verhindert Fäulnis- und Verwesungsprozesse in großem Maße. Durch diese Prozesse entsteht über einen langen Zeitraum hinweg Torf.

Zum Schluss soll noch eine letzte Fähigkeit genannt werden, die für den Menschen ebenfalls nicht uninteressant ist. Viele Moosarten sind reich an besonderen Wirkstoffen wie Flavonoide, Terpene und Terpenoide. Daraus resultieren sowohl antibiotische, fungizide und bakterizide Eigenschaften, die Sphagnum auch als Heilpflanze nicht uninteressant macht. Tatsächlich wurden Torfmoose seit alters her wegen ihrer Saugfähigkeit und antiseptischen Eigenschaften von den Eskimos, Lappen, den Bewohnern Kashmirs und den Kelten benutzt als Einlage für Babywindeln, Damenbinden, als Kompressen bei offenen Wunden und bei Hauterkrankungen.











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