Ohne Moos nix los oder wie entstehen Moorleichen
Lebensraum und Besonderheiten von Sphagnum
Das Sphagnum Moos ist maßgeblich für die Konservierung von Leichen
verantwortlich. Das liegt zum einen an dem Lebensraum, in dem es wächst,
und das Milieu, das es selbst schafft.
Sphagnum wächst nur in sehr feuchten Umgebungen, nämlich in Mooren.
Durch sein eigenes Wachstum sterben die unteren Teile ab, da sie unter
Luft- und Lichtabschluß im Wasser liegen, während die Pflanze oben
weiterwächst. Die abgestorbenen Teile zersetzen sich unvollständig und
werden zum allseits bekannten Torf.
Die Zersetzung des Mooses geschieht nur teilweise, weil die Zellwände
Phenole enthalten. Außerdem sorgen die Umstände, die zum Absterben
führten, auch für einen verlangsamten Verfall. Die Verrottung durch
anaerobe Bakterien wie im Moor ohne Licht und Luft dauert sehr viel
länger als bei Bakterien, die vom Sauerstoff abhängig sind.
Zusätzlich entzieht Sphagnum der Umgebung Kalzium und Magnesium, wodurch
der Säuregehalt des Bodens steigt. Dieser hohe Säuregehalt verhindert
das Wachstum von Bakterien und Pilzen, weshalb man das Moos noch im
Zweiten Weltkrieg zur Wundbehandlung einsetzte.
Moorleichen
Schon seit frühester Zeit wird Torfmoos aus dem Moor abgebaut. Dabei
fand man auch Leichen, schätzte sie jedoch weit jünger ein und
bestattete sie wieder christlich in geweihter Erde. Die erste
Aufzeichnung dafür gibt es aus dem Jahr 1640 von Shalkholz Fen in
Holstein. Erst mit Beginn der Archäologie im 19. Jahrhundert wurden die
Moorleichen wissenschaftlich untersucht und es stellte sich heraus, dass
die meisten noch aus der Eisenzeit stammen. Der älteste Fund, die
Koelbjerg-Frau, läßt sich zurückdatieren bis ins 8. Jahrtausend v.Chr.,
also die Steinzeit.
Die Forscher waren erstaunt über den guten Erhaltungszustand, denn die
Haut und Haare waren noch gut erhalten, ebenso wie die inneren Organe.
In einigen Fällen läßt sich sogar noch der Mageninhalt untersuchen. Die
Knochen jedoch sind aufgelöst, wodurch die Körper manchmal etwas
gequetscht wirken.
Für die Konservierung der Leichen ist maßgeblich das Sphagnum Moos
verantwortlich, denn erst das Moos setzt die Huminsäure (Gerbsäure)
frei, die den pH-Wert des Bodens so stark anheben, dass er dem des
Essigs gleicht. Wie eingelegte Gurken werden auch Körper konserviert mit
Haut und Haaren. Die verfärben sich allerdings, die Haare werden rötlich
und die Haut dunkel. Auch Stoffe (Kleidung, Seile) und Ledergegenstände
bleiben erhalten.
Das Moos und das Moor, säuregesättigt und ohne Sauerstoff, verhindern
die Zersetzung durch Mikroorganismen und Pilzen. Allerdings löst die
Säure Kalziumphosphat auf und zerstört damit die Knochenstruktur.
Forscher haben herausgefunden, dass die Leichen besonders gut erhalten
bleiben, wenn sie im Winter oder spätestens im Frühjahr ins Moor
gelangen, wenn das Wasser also kalt ist. Denn die Bakterien, die im
Körper sind, können sich unter 4°C kaum vermehren. So saugt sich der
Körper komplett mit Säure voll, bevor sie die Zersetzung beginnen können.
